About Sandra
Ich glaube nicht daran, dass Erfolg dich kaputtmachen muss, damit er zählt.
Ich habe lange genug das Gegenteil ausprobiert, und vielleicht ist genau das der Grund, warum ich heute so allergisch auf Erfolgsgeschichten reagiere, in denen niemand erwähnt, was dieser Erfolg eigentlich gekostet hat. Viele Jahre Selbstständigkeit, ein eigenes Studio, Mitarbeiterinnen, volle Kalender, Krisen, Wachstum und irgendwann die ziemlich ernüchternde Erkenntnis, dass ein Business sehr erfolgreich aussehen und sich trotzdem wie ein Leben anfühlen kann, aus dem man gerne mal drei Wochen verschwinden würde.
Ich habe Business nicht aus einem Lehrbuch gelernt.
Ich habe als Tätowiererin angefangen, weil ich Kunst machen und davon leben wollte. Was ich damals nicht wusste: Sobald du selbstständig bist, bist du plötzlich auch Marketing, Buchhaltung, Vertrieb, Kundenservice, Organisation, Personal, Krisenmanagement und die Person, die nachts darüber nachdenkt, ob die Miete nächsten Monat genauso entspannt aussieht wie diese Woche.
Ich habe Preise angesetzt, die wirtschaftlich wenig Sinn ergaben, Marketing ausprobiert, das ich heute keiner Kundin empfehlen würde, Kund:innen angenommen, obwohl mein Bauch bereits höflich Richtung Ausgang zeigte, und lange geglaubt, dass sehr gute Arbeit automatisch ein gesundes Unternehmen erzeugt. Tut sie nicht. Sie ist die Eintrittskarte. Der Rest ist Business.
Then life got interesting.
2019 eröffnete ich mein eigenes Studio, später kamen Mitarbeiterinnen, Ausbildung und mehr Verantwortung dazu, und dann kam Corona mit der Eleganz eines Vorschlaghammers. Wenn dein Geschäftsmodell darauf basiert, Menschen persönlich zu empfangen, sind monatelange Schließungen ein ziemlich effizienter Reality Check darüber, wie fragil ein Unternehmen sein kann, wenn zu viel an einer Einnahmequelle und der eigenen Anwesenheit hängt.
70 Stunden pro Woche sind kein Persönlichkeitsmerkmal.
Trotzdem habe ich es eine Weile ziemlich überzeugend gespielt. Sieben Tage arbeiten, ständig erreichbar sein, noch schnell antworten, noch schnell vorbereiten, noch schnell erledigen, bis das ganze Leben aus diesem merkwürdigen „noch schnell“ besteht und man irgendwann gar nicht mehr merkt, wie absurd das eigentlich geworden ist.
2021 und 2022 war der Punkt erreicht, an dem mein Körper und meine Psyche deutlich weniger begeistert von meinem Arbeitsethos waren als mein Kalender. Ich ging in Therapie, begann vieles neu zu betrachten und musste lernen, dass Grenzen keine Wellness-Idee sind, sondern oft eine ziemlich harte Businessentscheidung.
Preise. Grenzen. Weniger Kund:innen. Mehr Verantwortung.
Ich erhöhte Preise, arbeitete weniger am Kunden, sagte häufiger Nein, delegierte, stellte Strukturen infrage und merkte dabei etwas, das mich bis heute beschäftigt: Viele Entscheidungen, die sich zuerst egoistisch oder riskant angefühlt hatten, machten mein Unternehmen nicht schlechter, sondern gesünder. Ich musste nicht lernen, noch effizienter in ein falsches System zu passen. Ich musste das System verändern.
Why psychology
Mich interessierte irgendwann nicht mehr nur, welche Strategie funktioniert, sondern warum Menschen vernünftige Strategien trotzdem nicht umsetzen. Warum weiß jemand, dass der Preis zu niedrig ist und verlangt ihn weiter? Warum bleiben wir in Geschäftsmodellen, die wir längst hassen? Warum wird Sichtbarkeit für die eine Frau zum Spiel und für die andere zur Bedrohung? Warum brauchen wir bei manchen Entscheidungen Zahlen und bei anderen plötzlich die Zustimmung von Menschen, die mit unserem Unternehmen überhaupt nichts zu tun haben?
Deshalb studiere ich Psychologie und Kulturwissenschaften und bilde mich im Coachingbereich weiter. Mich reizt die Verbindung aus wissenschaftlichem Verständnis und praktischer Anwendung; ich will wissen, was Forschung sagt und was davon montagmorgens um neun noch übrig bleibt, wenn eine echte Unternehmerin mit einem echten Problem vor mir sitzt.
A few things I believe
Ich glaube, dass Geld wichtig ist und dass Frauen nicht sympathischer werden, wenn sie so tun, als wäre es ihnen egal. Ich glaube an Ehrgeiz, aber nicht an Erschöpfung als Statussymbol; an Disziplin, aber nicht daran, dass jedes innere Nein nur mangelnde Willenskraft ist. Ich glaube an Intuition, solange wir sie nicht benutzen, um Zahlen zu vermeiden, und an Zahlen, solange wir sie nicht benutzen, um Angst als Vernunft zu verkleiden.
Vor allem glaube ich daran, dass ein Business zu deinem Leben passen darf. Du musst nicht lauter, härter oder kälter werden, um ernst genommen zu werden. Du darfst sinnlich sein und strategisch, weich und verdammt klar, spirituell und zahlenorientiert, ehrgeizig und trotzdem jemand, der an einem Dienstagmittag im Park sitzen möchte, ohne sich dafür zu entschuldigen.
Ein Business, das dir Möglichkeiten gibt. Keins, das sie dir nimmt.
The woman behind the business
Ich liebe Kunst, Kultur, Psychologie, schöne Räume und diese seltenen Orte, an denen etwas gleichzeitig elegant und ein bisschen gefährlich wirkt. Ich will ein Haus mit Garten auf Ibiza, ich will reisen, reiten, lesen, malen, Klavier spielen, Theater sehen und ein Unternehmen führen, das nicht beleidigt ist, wenn ich dabei gelegentlich mein eigenes Leben genieße. Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht, ich müsse mich zwischen Ambition und Weichheit entscheiden. Heute halte ich diese Entscheidung für ausgesprochen langweilig.
If we work together
Ich werde dir nicht erzählen, was du hören willst, nur weil du mich dafür bezahlst. Wenn deine Idee gut ist, sage ich es; wenn sie wirtschaftlich keinen Sinn ergibt, sage ich das ebenfalls. Wenn ich glaube, dass du gerade ein psychologisches Thema als Strategieproblem verkleidest, schauen wir hin, und wenn dein vermeintliches Mindsetproblem schlicht schlechte Kalkulation ist, bekommst du von mir ganz sicher keine Affirmation dafür.