Frauen dürfen ambitioniert sein, solange sie ihre Ambition möglichst hübsch relativieren. Ich finde, wir können uns diese kleine gesellschaftliche Choreografie langsam sparen.
Der Satz fühlt sich für viele immer noch unanständig an
„Ich möchte viel Geld verdienen.“ Ohne Nachsatz. Ohne sofort zu erklären, dass Geld natürlich nicht alles ist, dass man auch etwas zurückgeben möchte und dass innere Werte selbstverständlich wichtiger sind. Einfach der Satz.
Bei Frauen löst diese Klarheit erstaunlich schnell Reaktionen aus. Ambition ist willkommen, solange sie freundlich genug verpackt wird. Erfolg ist schön, solange du betonst, wie dankbar du bist. Wohlstand darf sein, aber vielleicht bitte nicht zu sichtbar, nicht zu lustvoll und schon gar nicht so, als hättest du ihn absichtlich gewollt.
Ich habe darauf wenig Lust. Natürlich ist Geld nicht alles. Das ist so banal, dass ich es eigentlich nicht jedes Mal dazusagen möchte. Sauerstoff ist auch nicht alles und trotzdem würde niemand behaupten, dass eine solide Versorgung damit oberflächlich sei.
Geld verändert deinen Handlungsspielraum
Geld kann Zeit kaufen. Es kann dir erlauben, Hilfe zu bezahlen, eine schlechte Zusammenarbeit zu beenden, eine Pause zu machen, eine Therapie oder Weiterbildung zu finanzieren, einen sicheren Wohnort zu wählen, jemanden fair zu beschäftigen oder eine Organisation zu unterstützen, die dir wichtig ist.
Es kann dir außerdem erlauben, Nein zu sagen. Und diese Funktion von Geld wird meiner Meinung nach viel zu selten romantisch genug beschrieben. Finanzielle Sicherheit verändert, welche Entscheidungen du aus Angst treffen musst. Sie gibt dir die Möglichkeit, eine Kundin abzulehnen, eine Beziehung zu verlassen, einen Monat weniger zu arbeiten oder eine Idee zu testen, ohne dass jeder Fehler sofort existenziell wird.
Das macht Geld nicht moralisch gut. Aber es macht Ressourcen real.
Ich will nicht weniger wollen, damit meine Werte glaubwürdiger aussehen.
Du musst Reichtum nicht verdienen, indem du dich bestrafst
Ein Teil unserer Vorstellungen über Geld hängt erstaunlich stark an Leistung und Leid. Viel Geld wirkt akzeptabler, wenn jemand sichtbar hart dafür gearbeitet hat. Fast so, als müsste Wohlstand eine kleine Narbe tragen, damit wir ihn respektieren können.
Ich habe sehr viel gearbeitet. So viel, dass ich heute ziemlich entspannt sagen kann: Ich brauche diese Erzählung nicht mehr. Ich möchte nicht deshalb mehr verdienen, weil ich noch mehr Stunden verkaufen kann. Ich möchte bessere Systeme, bessere Entscheidungen, stärkere Angebote und ein Business, in dem mein Einkommen nicht proportional zu meiner Erschöpfung steigen muss.
Das ist kein Betrug am Leistungsgedanken. Es ist der Sinn von Unternehmertum, dass Wertschöpfung irgendwann intelligenter werden darf als die reine Addition deiner Arbeitsstunden.
Werte werden nicht kleiner, wenn dein Konto größer wird
Ich finde den Gedanken seltsam, dass finanzielle Ambition automatisch im Konflikt mit Menschlichkeit stehen soll. Du kannst Luxus mögen und spenden. Du kannst ein schönes Haus wollen und deine Mitarbeiterinnen fair bezahlen. Du kannst eine hohe Gewinnmarge anstreben und trotzdem entscheiden, dass manche Projekte dir gesellschaftlich wichtig sind.
Mehr Geld wird dich vermutlich nicht automatisch zu einer besseren Version deiner selbst machen. Es wird dir eher mehr Möglichkeiten geben, die Person zu sein, die du ohnehin bist. Genau deshalb finde ich die Frage nach Werten interessanter als die Frage, ob Wohlstand grundsätzlich „zu viel“ sein kann.
Für mich gehört dazu, dass mein Business nicht nur meinen eigenen Lebensstandard vergrößern soll. Charity und Impact sind Teil davon. Nicht als Bußgeld für Erfolg, sondern weil ich Handlungsspielraum gern benutze.
Vielleicht dürfen wir einfach aufhören, uns zu entschuldigen
Wenn du ein Unternehmen führst, darfst du wirtschaftliche Ziele haben. Du darfst Gewinn wollen. Du darfst deine Preise so gestalten, dass mehr übrig bleibt als gerade genug zum Überleben. Du darfst Rücklagen aufbauen, investieren, Vermögen bilden und dich über einen guten Monat freuen, ohne sofort eine philosophische Rechtfertigung vorzubereiten.
Das bedeutet nicht, dass jede Entscheidung nur dem Geld folgen sollte. Manche meiner liebsten Entscheidungen ergeben finanziell vielleicht nicht den maximal möglichen Wert, weil Zeit, Freiheit, Sinn oder Gesundheit ebenfalls in meiner persönlichen Bilanz stehen. Aber genau das ist der Punkt: Ich möchte genug Möglichkeiten haben, wählen zu können.
Und dafür darf Geld eine ziemlich große Rolle spielen.
Wenn du genau an dieser Stelle in deinem Business hängst
